Ist es der Lebensstil?
„Du musst mehr trinken!“ „Dir fehlt Bewegung!“ „Du ernährst Dich falsch!“
Gut gemeinte Ratschläge – doch das Ergebnis einer umfangreichen Bewertung der vorhandenen Studienergebnisse* zeigt, dass Menschen, die unter Verstopfung leiden, sich in ihrem Lebensstil nicht vom Durchschnitt der Bevölkerung unterscheiden. Die Betroffenen essen in der Regel genauso viele Ballaststoffe, sie trinken genauso viel und treiben vergleichbar viel Sport wie Menschen, die nicht unter Verstopfung leiden. Wie die Ergebnisse einer aktuellen Patientenbefragung** zeigen, bringen Verstopfte auch nicht unbedingt mehr Kilos auf die Waage.
Fazit:
Eine gesunde Lebensweise kann einer Verstopfung nicht immer vorbeugen.
Eine gesunde, abwechslungsreiche Lebensführung trägt aber in hohem Maße zum Wohlbefinden und zur allgemeinen Gesundheits-Erhaltung bei. Lediglich für Menschen, deren Verstopfung durch eine ungesunde Lebensweise zustande gekommen ist, kann eine Umstellung der Gewohnheiten hilfreich sein. Aber auch diese Maßnahmen sind in ihrem Erfolg limitiert sein. So kann ein Bettlägeriger sein tägliches Bewegungspensum nicht einfach erfüllen.
Das stört den Darm.
Zu den allgemeinen Auslösern, die unsere Verdauung lahm legen und zu einer Verstopfung führen können, zählen zum Beispiel:
Änderung der Lebensumstände (z.B. Umzug, Diät, Nikotin-Entzug)
Fieberhafte Erkrankung/Bettlägerigkeit
Urlaubsreisen
Hormon-Schwankungen (Menstruation, Schwangerschaft, Wechseljahre) (individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt)
Der Darm fühlt mit!
Die Psyche spielt nicht selten die Hauptrolle, wenn der Darm träge wird.
Wie viele andere Regelkreise folgt auch der Darm einer inneren Uhr. Morgens nach dem Aufstehen und nach den Mahlzeiten ist der Darm besonders aktiv. Wird in diesen Phasen der Stuhldrang z. B. aus Zeitgründen bewusst ignoriert, klappt die Stuhlentleerung häufig später am Tag nicht mehr. Auf Urlaubsreisen unterdrücken viele auf Grund von Unbehagen vor fremden „stillen Örtchen“ ihren natürlichen Stuhlgang und stellen so unter Umständen die ersten Weichen für eine Verstopfung.
In Stress-Situationen z.B. schüttet unser Körper vermehrt die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin aus. Beide wirken auch bremsend auf die Darmtätigkeit. So ist Verstopfung bei den ständigen Belastungen des Alltags keine Seltenheit.
Nebenwirkung Verstopfung.
Häufig bringt auch die Einnahme bestimmter Medikamente den sensiblen Darm aus dem Tritt. Die Nebenwirkung „Verstopfung“ wird häufig im Zusammenhang mit folgenden Medikamenten-Gruppen erwähnt:
Eisenpräparate oder Vitaminpräparate, die Eisen enthalten
Krampflösende Medikamente
Bestimmte Psychopharmaka, wie Antidepressiva oder Anti-Epileptika
Starke Schmerzmittel (Opioide)
Codeinhaltige Hustenlöser
Blutdrucksenker (z. B. Clonidin)
* Müller-Lissner et al, Mythen und falsche Vorstellungen, Am. J. Gastroenterology, 2005
** Hinkel et al, OTC laxatives use of sodium picosulfate- results of a pharmacy-based patient survey (cohort study)
** Intern. J. Clinical Pharmacology and Therapeutics, 2008
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